Schließung des Produktionsstandorts der Firma MEHLER
Die Nachricht von der geplanten Schließung des Produktionsstandorts der Mehler Engineered Products GmbH zum 30. Juni 2027 hat die Stadtverwaltung tief getroffen. „Wir sind als Stadtverwaltung enttäuscht“, erklärt Bürgermeister Dirk Oetzel. „Die Entscheidung der Konzernmutter KAP AG hat uns plötzlich und völlig unerwartet erreicht.“
Dabei sah die Zukunft vor Ort bis vor kurzem noch ganz anders aus: Seit knapp einem Jahr hatte die Stadtverwaltung intensiv und eng mit den Verantwortlichen von Mehler zusammengearbeitet. Gemeinsam hatte man den Standort für die Zukunft rüsten wollen; umfangreiche Baumaßnahmen und Modernisierungen auf dem Werkareal an der Leipziger Straße waren bereits konkret geplant. Dass nun die übergeordnete Holding im Zuge eines globalen Restrukturierungsprozesses die Reißleine zieht, schmerzt umso mehr.
Mit dem Aus von Mehler im nächsten Jahr schließt sich ein historisches Kapitel der Stadtgeschichte auf denkbar traurige Weise. Das Werk steht in der direkten Nachfolge der traditionsreichen Lichtenauer Leineweberzunft, die schon vor der Industrialisierung das Gesicht der Region prägte. Im Jahr 1907 – also vor genau 120 Jahren, wenn das Werk 2027 schließt – begann mit der Ansiedlung der Firma Fröhlich & Wolff, die noch vielen Menschen ein Begriff ist, ein rasanter wirtschaftlicher Aufschwung. Zeitweise arbeiteten über 1.400 Menschen in den Fabrikhallen an der Leipziger Straße.
Eine historische Ironie der Geschichte bleibt dabei festzuhalten: Die Firma Fröhlich & Wolff siedelte sich damals in Hessisch Lichtenau an, weil man hier im Vergleich zu Kassel niedrigere Löhne zahlen konnte. Genau diese Dynamik kehrt sich nun im globalen Maßstab um – es sind unter anderem die hohen Personalkosten im Vergleich zum Ausland, die den Konzern nun zur Verlagerung nach Tschechien und Indien bewegen. „Dass dieses 120-jährige Jubiläum nun zum Anlass einer Schließung wird, ist ein bitterer Meilenstein für unsere Stadt.“ so Bürgermeister Dirk Oetzel.
Trotz des harten wirtschaftlichen Einschnitts gibt es zumindest von administrativer Seite eine wichtige Entwarnung für die Bürgerinnen und Bürger: Durch die Werksschließung entstehen für die Stadt Hessisch Lichtenau keinerlei Anpassungsbedarfe im Hinblick auf die städtischen Finanzen oder den laufenden Haushalt.
Die oberste Priorität der Stadtverwaltung gilt jetzt den rund 100 betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Die Stadtverwaltung hat daher bereits erste Gespräche mit Kontakten aus dem eigenen lokalen Wirtschaftsnetzwerk geführt, mit dem klaren Ziel, die Arbeitsplätze und Fachkräfte nach Möglichkeit in unserer Stadt zu halten. Gleichzeitig gibt es für das Gelände an der Leipziger Straße einen berechtigten Hoffnungsschimmer: Nach Informationen der Konzernleitung der KAP AG gibt es bereits sehr konkrete und vielversprechende Verhandlungen mit einem potenziellen Investor. Dieser hat großes Interesse an einer Übernahme des gesamten Areals signalisiert und plant dort umfangreiche Investitionen. Die Stadtverwaltung wird diesen Prozess mit aller Kraft positiv begleiten, um dem traditionsreichen Gelände eine neue, zukunftsfähige Perspektive zu geben.
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